14 Juni 2017

Protagonisten-Interview Verzweifelte Hoffnung

Protagonisten-Interview Verzweifelte Hoffnung



Ich bin heute unterwegs zu Janine Zachariae, um mich mit Ihr und 3 Protagonisten zu treffen, denn ich wurde eingeladen mit Alice, Joshua und Paddy ein Interview zu führen. 
Es dauert nicht mehr lang und ich werde ankommen, aber wisst Ihr was? Ich tue mir so schwer mit den Fragen, denn die Geschichte von Verzweifelte Hoffnung, hat mich so im Herzen berührt, dass sie mir noch sehr lange nachhängen wird. Auch möchte ich nicht so ganz, dass die Drei wieder zu viel an ihre Vergangenheit denken müssen, aber sehen wir mal, wie sie reagieren werden. 
Nun bin ich angekommen und sehe schon Janine auf mich zukommen. 

Hallo liebe Janine, vielen herzlichen Dank für die Einladung. Möchtest Du Dich kurz vorstellen während wir noch auf Alice, Joshua und Patrick warten? 

Janine stellt sich vor
Hallo liebe Manuela, ich freue mich sehr, dass es bei dir geklappt hat und hoffe, die Fahrt war angenehm. Mmh, du fängst ja direkt mit einer schwierigen Aufgabe an. Ich bin Baujahr 1985 und vom Sternzeichen Fische, was sehr viel von meinem Charakter verrät. Sensibel, nachdenklich und dazu kommt noch, dass ich Linkshänderin bin. Was vielleicht meine kreative Ader erklärt. Verheiratet bin ich seit fast zehn Jahren und mein Sohn, ebenfalls Fisch, ist dieses Jahr fünf geworden. Schon immer hab ich es geliebt mir Geschichten auszudenken und kann mir nichts anders mehr vorstellen. Aber schau mal, wer da alles kommt.

In der Zwischenzeit sind auch schon die Drei angekommen und begrüße sie gleich einmal herzlich. 

Hallo Alice, Joshua und Paddy, auch Euch möchte ich danken, dass ihr bereit seid, mir ein Interview zu geben. 
Möchtet auch ihr Euch bitte kurz vorstellen für die Leser? 


Alice: Hallo Manuela, es ist toll, hier zu sein. Puh, das ist gar nicht so einfach. 
Joshua: Alice kann das nicht, musst du wissen, Manuela. Ihr fällt es schwer, sich selbst vorzustellen. Sie hat das nie gelernt. Dabei ist sie die wundervollste Person, die man sich vorstellen kann. Was sie alles für ihren Bruder gemacht hat, ist einzigartig. 
Alice: Ah, du schmeichelst zu sehr, Josh.
Joshua: Was hab ich gesagt? Sie will es nicht hören. Nun gut, ihr werdet sie sicherlich im Laufe des Interviews besser kennenlernen. Ich arbeite beim Radio und liebe es einfach, die Musik zu spielen, die mir gefällt. Nebenbei hab ich einen Secondhand-Laden, der Bücher und CDs anbietet.  
Paddy: Oh, der Laden ist klasse, Manuela. Da solltest du echt mal vorbeikommen. Vielleicht nächste Woche, dann könntest du hinterher zu meiner neuen Theateraufführung kommen. Mmh, ich setz dich auf die VIP-Liste, du darfst natürlich auch noch die anderen Mädels mitbringen, die an dieser Tour beteiligt sind. 
Oh, ihr seit ja so süß. Vielen herzlichen Dank Paddy für die Einladung. Wir kommen sehr gerne, nicht wahr Mädels? 



Alice, was mich wirklich sehr interessiert, ist die Frage, wie Du Dein Geheimnis von Deinem 11. Lebensjahr noch so lange für Dich behalten konntest? Wie hast Du damit gelernt, zu leben? 

Alice: Das ist eine sehr schwierige Frage. Wie konnte ich mit diesem Geheimnis leben? Nun gut, wir sind ja unter uns und ich denke, es ist an der Zeit, dass ich es offen erzähle, oder? Es ist ganz einfach im Grunde: Wenn ich es erzählt hätte, wäre ich zusammengebrochen. Wenn ich auch nur einer Menschenseele davon berichtet hätte, dann wäre mein Kartenhaus zusammengebrochen und das konnte ich Patrick nicht antun. Er hat sich auf mich verlassen. Wenn man etwas wirklich verschließen möchte, dann schafft man es auch, bis es irgendwann nur noch ein kleiner Funken ist. Du kennst das vielleicht auch, Manuela, manchmal hat man doch dieses Gefühl, dass irgendwas war. Ein Geruch, der einen an etwas erinnert, was man allerdings vergessen hat, aber man grübelt so lange, bis man dahinter kommt. Nach sechzehn Jahren hatte ich es geschafft, bis … Leider bekommt jede Mauer irgendwann Risse, nichts hält ewig. 
Ja, liebe Alice, nur zu gut kenne ich das Gefühl auch und grübel dann immer ... 

Joshua, welche Gedanken hattest Du, nachdem Du das erste Mal von Paddy erfahren hast, was Alice seit Eurem Abschied erleben musste? 

Joshua: Patrick wollte zunächst nichts erzählen, weil er nicht wusste, wie ich reagieren würde. Aber irgendwann hatte er genug. Er hat jahrelang mit ansehen müssen, wie Alice leidet, wie sie sich immer mehr zurückzieht. Doch dann … Mein erster Gedanke … Nein, denken konnte ich nichts. Ich hatte gerade ein Glas Bier in der Hand und hab es voller Wucht gegen die Wand geworfen. Ich war wütend, so wütend, dass sogar Kitty das Zimmer fluchtartig verlassen hatte. Danach erst kamen die Gedanken … Aber die möchte ich nicht hier sagen, denn sie sind nicht jugendfrei.
Oh, Josh, ich verstehe Dich voll und ganz ;) Die Leser können es sich ja selber davon überzeugen, wenn sie das Buch mal lesen werden. 

Paddy, Dich möchte ich fragen, wie Du Janine beim Schreiben erlebt hast? 

Paddy: Nachdenklich, sehr sehr nachdenklich. Ich glaube, ihr ist es nicht leicht gefallen. Ich bin froh, dass sie sich die nötige Zeit genommen und sogar noch einiges hinzugefügt hat, nachdem sie eigentlich schon fertig gewesen war. Aber sie hat manchmal auch geflucht, wenn es nicht so geklappt hat, wie sie es wollte. Einmal ist ihr Schreibprogramm hängen geblieben und mehrere Szenen waren verloren, da sie nicht mehr gespeichert werden konnten. Irgendwie hat sie es geschafft und nicht aufgegeben, auch wenn sie manchmal abbrechen musste, weil sie an einer Stelle angekommen war, die sehr viel abverlangte. Dann saß Janine da und hat geweint. Außerdem führt sie Selbstgespräche, besonders wenn sie nicht weiß, wie etwas geschrieben werden soll. Oder sie liest sich die Szene laut vor und dann merkt sie, dass sie komisch klingt. Glaub mir, Manuela, das sind dann die Momente, die wirklich witzig sind. Sie geht außerdem sehr kritisch mit sich um.
Ach Paddy, Dankeschön. Genauso habe ich mir Janine auch vorgestellt und diese Art an Ihr mag ich so unheimlich gerne. 

Liebe Alice, Du weißt bestimmt, dass viele Menschen unter Depressionen leiden und zu Therapeuten gehen, aber es gibt auch sehr viele Menschen, die sich einfach schämen und niemanden etwas davon sagen möchten. Wie bist Du mit den Depressionen umgegangen? Was würdest Du den Lesern raten? 

Alice: Danke für diese Frage, die zwar nicht einfach sein wird zu beantworten, aber auch mal gestellt werden muss. Danke für deinen Mut, sie zu stellen. Maja Stark aus „Das magische Armband“ hat es einmal so schön ausgedrückt: Man ist nicht schwach, wenn man um Hilfe bittet. Im Gegenteil: genau dann ist man am Stärksten.
Und damit hat dieses junge Mädchen recht: wenn man sich selbst eingestehen kann, dass etwas nicht mehr funktioniert, dass man an einem Punkt angekommen ist, an dem man nicht mehr weiter weiß. Man kann sich verstecken, verstellen und so tun, als sei alles in Ordnung. Man sucht sich ein Ventil und eine Aufgabe oder mehrere. Versucht sich abzulenken, anderen zu helfen. Doch irgendwann fällt jede Maske. 
Vielleicht ist es durch etwas, was man gelesen und gesehen hat. Möglicherweise aber, weil sich tatsächlich jemand die Zeit genommen hat und einen diese eine Frage stellt und dabei nicht locker lässt. 
Depression ist ein wichtiges Thema, niemand will es offen zugeben. Ja, noch immer leide ich darunter. Noch immer plagen mich Albträume und ich möchte mich tagelang verstecken. Aber weißt du was, Manuela, wenn es mich überkommt und ich diese Welle nicht zurückhalten kann, dann sage ich es. Es hat viele Jahre gedauert, ehe ich das folgende gelernt habe: wenn man ehrlich zu sich ist und das, was einen bedrückt auch offen ausspricht, dann kann man mit allem umgehen. Wenn es wieder so weit ist, gehe ich zu Patrick und er nimmt mich direkt in den Arm, dann gehe ich in mein Zimmer, nehme mir meinen Laptop, meinen Lieblingsfilm und bin einfach eine Weile für mich. Irgendwann bringt mir Patrick eine Packung Eis und gesellt sich zu mir. Dann hält er mich, so wie ich ihn festgehalten habe, als es ihm nicht gut ging. 
Man kann durch diese Krankheit viel verlieren, aber auch einiges gewinnen. Denn Emotionen und Gefühle gehören zum Leben dazu. Man muss darüber sprechen, und wenn das nicht klappt, weil man niemanden hat, dann alles aufschreiben. Ich rate jedem, der an einer Depression leidet, sich alles von der Seele zu schreiben und Hilfe zu suchen. Macht etwas, was euch guttut. Geht raus und genießt die Natur, beobachtet die Wolken oder entspannt mit einem Buch. 
Oder macht es wie Lydia, aus „Lydia – zerplatzte Träume“ und schreit so laut ihr könnt. Das hilft. 
Doch das Wichtigste ist, sucht euch eine Vertrauensperson. Jeder ist jemanden wichtig und niemand muss alleine bleiben, mit dem, was einen belastet. 
Wie Du sicher bemerkt hast, kullern mir die Tränen herunter und ich danke dir von Herzen für diese offenen Worte, denn sie sprechen mir aus der Seele. 

Joshua, wie waren Deine Gefühle und Gedanken gegenüber deinem Vater, nachdem Dir der Brief vorgelesen wurde? Wie empfindest Du heute? 

Joshua: Die Gedanken an meinen Vater sind nach wie vor zwiegespalten. Ich konnte und wollte es nicht wahrhaben. Ich dachte, ich kannte ihn, aber er war ein Fremder und doch die einzige Person, die mir helfen konnte. 

Janine, ich kenne Dich jetzt schon ein bisschen und ich denke den Leser würde interessieren, wie Du auf die Idee kamst, diese bewegende Geschichte zu schreiben? Ich weiß auch, dass Du ein Mensch mit sehr vielen Gefühlen bist, hast du nicht während des Schreibens auch manchmal geweint? 

Janine: Viel zu oft. Als ich diese Szene mit dem Unfall geschrieben habe … doch besonders schlimm war es, als ich bei der Korrektur immer näher an diese Stelle gekommen bin … Ich wollte sie umgehen, ich hab sie gehasst – ja, ehrlich. Doch auch später im Buch gibt es einen Abschnitt, der mich so zum Weinen gebracht hat, dass ich nicht mehr weitermachen konnte. Dabei ist sie sogar erst während der fünften (und letzten) Bearbeitungsphase entstanden. Ganz zum Schluss musste ich sie noch einfügen, weil ich Patrick etwas über seinen Bruder erzählen wollte. Alice hatte zwar noch ein paar Erinnerungen, doch das war eine Sache zwischen Pat und mir. 
Die meisten meiner Geschichten entstehen einfach so. Ein Gedanke flammt auf, etwas, was mich nicht mehr loslässt. Dann muss ich einfach mehr erfahren. 'Was wäre, wenn ich einen anderen Mann als meinen hätte? Mein Mann, der nie die Hand gegen mich erheben würde, der sensibel und wunderbar ist. Doch was wäre das für eine Person, die genau das Gegenteil von ihm wäre?' Diese Gedanken bin ich nachgegangen, und daraus ist eben Frederic geworden. 
Ich muss Dich einfach jetzt ganz lieb drücken.

Paddy was wünscht Du Dir für Deine Zukunft und was würdest Du anderen Jungs raten? 

Paddy: Hört auf euer Herz. Es spielt keine Rolle, wen ihr liebt. Solange ihr jemanden an eurer Seite habt, der an euch glaubt und euch so liebt, wie ihr seid, spielt es keine Rolle. Ich hatte Angst vor der Reaktion gehabt. Aber dass Alice so reagierte und sich so verhalten hatte, damit hätte ich nicht gerechnet. 
Ihr seid einzigartig und niemand hat ein Recht euch etwas anderes zu erzählen. Natürlich hatte ich Glück mit Alice, aber in einer Welt voller Frederics ist es nun einmal wichtig, an sich selbst zu glauben und zu sich selbst ehrlich zu sein. 

Alice, Du musstest ja in Deinem Leben sehr viel mitmachen, erleben und Du bist mir so sehr ans Herz gewachsen. Mir ist auch bewusst, dass es sehr schwer sein muss, anderen einen Rat zu geben. Welchen Rat würdest Du Frauen geben, die auch in so einer Situation leben müssen? Würdest Du heute etwas anders machen? 

Alice: Ach, Manuela, du stellst so schwere Fragen … Frauen, die in so einer Situation leben müssen, haben irgendwann verlernt das zu sehen, was wirklich wahr ist und versuchen sich häufig auch etwas einzureden. 'Es ist doch eigentlich alles gut. Er hat mir Blumen mitgebracht. Heute hat er mir ein wundervolles Kompliment gemacht. Er ist da.' Sie verdrängen dann das Negative. Ich glaube, den einzigen Tipp, den ich geben kann, ist: Fotografiert euch selbst, nachdem etwas passiert ist. Seht euch dieses Foto an. Betrachtet es immer und immer wieder. Legt es zur Seite und holt es wieder hervor. Ihr werdet diese Person auf dem Foto nicht wiedererkennen. Was würdet IHR dieser Frau oder diesem Mann (denn auch sie können betroffen sein) raten? Ihr würdet nicht sagen, dass es ihr/ ihm gut geht, so wie ihr / sein Leben ist. Nein, ihr würdet sagen: 'Wach auf, unternimm etwas und ziehe jemanden ins Vertrauen.' 
Den letzten Satz liebe Alice, würde auch ich der Frau raten und ihr meine Hand reichen. 

Joshua, sag mal, wie waren Deine Gefühle, nachdem Du gemerkt hast, dass Janine mit Euch diese Geschichte schreibt? 

Joshua: Ganz ehrlich? Ich habe gedacht: „Endlich sagt mal jemand die Wahrheit.“ Wenigstens eine, die den Mut aufbrachte, dass zu schreiben, was sonst oft unter den Tisch gekehrt wird, ohne zu sehr ans Eingemachte zu gehen. 

Ihr Lieben, ich bedanke mich von Herzen, dass ihr mir so offen und ehrlich geantwortet habt. Zum Abschluss noch an Euch alle eine abschließende Frage. 
Was möchtet ihr den Lesern noch zum Abschluss mitteilen? 

Alice: Es gibt eine Person, die für einen da ist. Man darf niemals glauben, dass man niemandem wichtig ist. Denn das stimmt nicht. Jeder von uns ist einzigartig. Wir dürfen niemals aufhören an etwas zu glauben, was in unserem Herzen schlummert. Niemals die Hoffnung aufgeben. Ich danke dir, liebe Manuela, für dieses unglaubliche Interview. 
Joshua: Danke Manuela. Was ich den Lesern sagen möchte? Gebt niemals auf. Doch das Wichtigste, wenn ihr jemanden wirklich liebt, dann versucht einfach für sie da zu sein. Als Freund. Das habe ich gelernt. Eine tiefe Freundschaft, die über alles geht, ist wertvoller, als so manch eine Beziehung. Ach ja, und wenn euch jemand fragt, ob ihr die Katze zu euch nehmen könnt, dann nehmt sie. Glaubt mir, sie kann noch sehr wichtig für die Zukunft sein. 
Paddy: Liebe Manuela, danke für das Interview. Liebe Leser, seid immer ehrlich zu euch selbst. Wenn ihr etwas auf dem Herzen habt, dann redet mit Jemanden darüber. 
Egal, wie unabhängig ihr auch seid, manchmal braucht eine Bezugsperson das Gefühl gebraucht zu werden. 
Janine: Erst einmal, vielen lieben Dank Manuela. „Verzweifelte Hoffnung“ bedeutet mir sehr viel. Denn ich hab die Charaktere so ins Herz geschlossen, dass ich mir nur das Beste für ihre Zukunft wünsche. Aber natürlich gibt es auch jene, die … Jeder, der diese Geschichte liest, soll einfach nur wissen, dass ich an euch glaube. Dass ihr mir wichtig seid. Eure Probleme und Gedanken. Ihr seid nicht alleine. Vielleicht kann ich ja jemanden helfen oder die Augen öffnen. Ich weiß, dass diese Geschichte einige Stellen hat, die nicht ohne sind. Aber ich musste sie schreiben, denn sie gehören nun einmal dazu. Sie gehören zu Alice und Patrick. 
Während des Schreibens hab ich mich oft gefragt, ob ich ihnen nicht zu viel zumute. Doch meine lieben Protagonisten haben mir Mut gemacht. 
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Wir lesen uns bestimmt bald wieder. Denn ich bin da, bleibe und gehe nicht wieder weg.




Liebe Alice, Joshua, Paddy und Janine, ich möchte euch von ganzen Herzen für dieses wunderbare Interview bedanken und liebe Janine, Respekt für deinen Mut, dieses Buch zu schreiben. 

Liebe Leser, 
mich hat dieses Buch so sehr berührt, dass ich weinen, fluchen, mitfühlen musste, und ja, auch einiges aus meiner eigenen Vergangenheit hochgekommen ist. Ich lege euch dieses Buch ans Herz, denn es ist wirklich wunderbar, wenn auch an manchen Stellen tragisch und brutal. 







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