Donnerstag, 15. Juni 2017

Leseprobe Verzweifelte Hoffnung von Janine Zachariae


Leseprobe - Auszüge aus

Verzweifelte Hoffnung 

von Janine Zachariae 


Nicht zum ersten Mal hatte Alice das Gefühl zu fallen und die Kontrolle zu verlieren, doch war es dieses Mal etwas anderes. Es war, als wäre ihre Meinung unwichtig. Es fühlte sich einfach falsch an. 
Das blaue Auge schrie gerade zu nach Hilfe. Es brüllte, doch sie konnte ihm nur helfen, wenn er bereit dazu war. Was hätte sie auch sonst machen sollen? Sie musste ihn beschützen, aber ohne dass er sich unter Druck fühlte. Langsam, mit viel Gefühl. Aber nie zu forsch und hektisch. Sonst könnte es passieren, dass er sich für immer verschließen würde. 
Es war das erste Mal, dass sie ihn so verletzlich gesehen hatte. Er versuchte immer stark zu sein, damit sie sich nicht zu viele Sorgen machen musste. Doch seine Fassade hielt an diesem Abend nicht.
 Seine Maske bröckelte und er wollte sich nicht länger verstecken. An diesem Abend brauchte er seine große Schwester, die ihm Halt geben sollte. 



Sie hatte keine Wahl und sie konnte nicht mehr zuhören. Nur langsam drang die Erkenntnis zu ihr durch. Aber es tat ihr zu sehr weh. Erneut musste sie jemanden verlieren. Erneut die Trauer erleben. Warum konnte sie nicht endlich ankommen?
 „Ich muss das Durchziehen.” 
 „Liebst du ihn denn?” 
 „Liebe ist manchmal nicht alles”, flüsterte sie unter Tränen.




Ihre Stimmung war so gut, wie seit Wochen nicht mehr. Ihren Bruder glücklich zu sehen, war alles, was sie sich wünschte. Und er wirkte zufrieden, wenn auch etwas zurückhaltend. Aber auch das gehörte dazu. Diese anfängliche Verliebtheit, die zarten Blicke und das Versehentliche berühren der Hände. Ja, sie wusste noch zu genau, wie es sich anfühlte. Und sie wollte, dass er diese Zeit genoss. Er sollte sich immer an genau diesen Tag erinnern. Denn wer weiß, wann sie erneut die Gelegenheit dazu bekommen würden, einen so unbeschwerten Abend zu verbringen …


 „Ist es denn wirklich wichtig, was andere sagen?” Alice musste stark bleiben. Sie durfte sich nicht die Blöße geben und ihrem Mann zeigen, dass sie Angst vor ihm hatte. Nein, Schwäche kam nicht infrage. Zu viel stand auf dem Spiel. Sie spürte erneut seine Hand auf ihrer linken Wange. Es klatsche und klingelte in ihrem Ohr. Sie kniff die Augen zusammen.


 Er wollte sie trösten, sie aufmuntern. Er hörte sie oft weinen, nachts, wenn sie glaubte, es würde niemand hören. Nachts, wenn sie ungestört war und endlich ihre gute Laune ablegen konnte. Wie früher. Nachts ist man fast unsichtbar. Da muss man nicht mehr stark sein. Da kann man traurig sein.      
 „Dieses kleine Lächeln von Patrick gab mir so viel Kraft. Nach und nach habe ich gelernt, egal wie tief man fällt, wenn man jemanden hat, den man liebt und der einem auch dieses Gefühl gibt, kann man alles durchstehen.“ 

                            

 Er beugte etwas seine Knie, blickte ihr in die Augen, vergrub seine rechte Hand in ihr Haar und zog sie zu sich. Seine Lippen berührten ihre, öffneten sie ein wenig, während seine Zunge sich einen Weg zu ihrer bahnte. Die Luft schien zu knistern und stillzustehen, als sie den Kuss erwiderte. Krum steckte alles hinein, er wollte sie bei sich behalten, für immer. Sie spürte es, doch stieß sie ihn schnell wieder weg. Sie machte einen Schritt zurück, fühlte etwas hartes hinter sich und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Sie war bereit schnell zu fliehen, notfalls würde sie über den Zaun springen.


Mitwirkende Blogs:

*meine Wenigkeit :D 



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