Montag, 3. April 2017

Interview mit Christina Geiselhart

Interview mit Christina Geiselhart





vielen lieben Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. 

1.) Möchten Sie Sich uns kurz vorstellen? 

Ich lebe in Paris und Stuttgart, finde mich allerdings in Paris besser zurecht als in Stuttgart, weil ich über 30 Jahre in der Kapitale gelebt, studiert, Kinder bekommen, singen und reiten gelernt habe. Hündin Doll und Kater Diego sind zufriedene Hausgenossen, während Raffaelina, Kalemero und Birdy außerhalb der Stadt ein gutes Pferdeleben führen. 
Ich lese, spaziere, singe gern und liebe das Meer.

2.) Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?


Da ich vor allem als Teenager in Gegenwart anderer eher schüchtern war und wenig redete, aber doch  einiges zu erzählen hatte, fing ich an zu schreiben.
Kurzgeschichten, Gedichte. Manches konnte ich in Zeitschriften veröffentlichen aber einen Verlag fand ich damals nicht. Don’t worry be happy, sagte ich mir und machte mir meine Gesangsausbildung zu nutze. Jahrelang trat ich in Cafétheatern auf. Aber vom Schreiben kam ich nicht los. Meinen ersten Roman veröffentlichte ich 1999, einen Gegenwartsroman. Schließlich entdeckte ich meine wahre Bestimmung:  Ich wollte die Geschichte herausragender Menschen aus der Vergangenheit erzählen. Menschen wie es sie vermutlich nur einmal gibt.

3.) Welche Bücher sind bis jetzt von Ihnen erschienen? Beschreiben Sie uns kurz die Bücher. 


Erschienen sind bis jetzt „Musik, Mythen und ein Mordverdacht -Paganini, und „Die Bluthunde von Paris“. Paganini erzählt Leben und Schicksal eines absolut ungewöhnlichen Künstlers. „So ein Kerl kommt nie wieder!“, sagte Schubert von ihm.
In den Bluthunden spielt die Großmutter des Henkers eine wichtige Rolle. Sie ist zwar nicht bekannt, aber war für damalige Verhältnisse eine ganz ungewöhnliche Frau.




4.) Woran arbeiten Sie gerade? 

Ich arbeite zur Zeit am Leben und Schicksal des Klavierbauers Heinrich Steinway, von dem man nicht viel weiß, der aber ein ebenso ungewöhnlicher Mann war. Veröffentlicht wird demnächst mein Roman über den Revolutionär Saint-Just und die Mörderin Charlotte Corday. Wobei ich beim ersten (Saint-Just) hervorhebe wie Fanatismus einen Menschen verändern kann und bei Charlotte Corday eine faszinierende und starke Frau schildere, die mit ihrem Einsatz gegen den Terror, ihr Leben verliert.

5.) Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Viel freie Zeit habe ich nicht, aber wenn, dann lese, reite ich, geh ins Kino oder ins Theater.

6.) Lieblingsbuch und Lieblingsautor?


Am meisten fasziniert hat mich Balzac. Er ist ein Meister der Erzählkunst. Meine Lieblingsbücher sind „Verlorene Illusionen“ und „Glanz und Elend der Kurtisanen“. Aber es gibt noch viele andere faszinierende Autoren und Bücher.

7.) Wo schreiben Sie am liebsten und wie können wir uns Sie dabei vorstellen? 


In Paris schreibe ich im Schlafzimmer mit Blick auf den kleinen Garten und den Pavillon gegenüber in dem meine Nachbarin Helene, eine Opernsängerin, ihre Übungen macht und an manchen Abenden in dunkler Garderobe über die Kieselsteine hastet. Inspirierend. Auf dem Schlafzimmerboden liegen oft bis zu dreißig Bücher mit Spickzettel. 
In Stuttgart sitze ich am Schreibtisch mit Blick auf die Natur.

8.) Wie sieht Ihr ganz normaler Alltag aus?


Da nun die Kinder in alle Winde verstreut sind, stehe ich nicht vor acht auf, spaziere dann mit Doll, hole ein Baguette oder (in Stuttgart) die Zeitung. Meistens arbeite ich nach der Zeitungslektüre drei bis vier Stunden am Roman oder lese in mehreren für diesen Roman bestimmten Büchern. Danach steht ein längerer Spaziergang mit Doll auf dem Plan, wobei mir viele Ideen kommen, die ich bei Rückkehr oft weiter verarbeite.

9.) Ihr Lieblingsgenre beim Lesen sowie beim Schreiben?


Sehr gerne lese ich Bücher über ungewöhnliche Menschen. Entweder in Romanform aber auch als Sachbuch. Allerdings lasse ich mir nicht das Veröffentlichung eines zeitgenössischen Autors entgehen, das gerade hochgelobt wird, einen Preis bekommen oder ein brisantes Thema zum Inhalt hat, wie z.B. 2015 Michel Houellebecq’s  Soumission. 

10.) Ihr Lieblingszitat? 


Zitat? Fällt mir gerade keines ein.

11.) Ihr Lieblingsland und warum? 


Ich bin nicht viel rumgekommen. England hat herrliche Regionen, Deutschland und Holland sind reizend, Italien und Griechenland sind teilweise wunderschön, New York ist phantastisch und Florida auch nicht übel, aber am besten gefällt mir Frankreich. Vielleicht weil ich das Land und die Menschen mittlerweile ein wenig kenne und mich dort zu Hause fühle.

12.) Wie gehen Sie mit Kritik im allgemeinen um?

Eine sehr schlechte Rezension ärgert mich natürlich. Aber manch schlechte Rezensionen können auch konstruktiv sein. Ich glaube so sollte man eine Kritik nehmen. 

13.) Wie entstehen Ihre Protagonisten?


Sie entstehen während ich lese, spazieren gehe oder träume. Manchmal steht dann eine Person ganz deutlich vor mir. Ich sehe ihre Kleidung, ihr Gesicht und höre ihre Stimme. Dann lass ich sie nicht mehr los.

14.) Möchten Sie Ihren und meinen Lesern noch etwas mitteilen?


Ich wünsche mir, dass meine Leser Freude an der Lektüre meiner Bücher haben, mit Spannung lesen und am liebsten nicht mehr aufhören wollen. Ich möchte allen meinen Lesern für ihr Interesse und ihre Treue danken, denn sie machen mir Mut und geben mir Ideen und Kraft für jedes neue Werk.

Vielen herzlichen Dank für das tolle Interview.