Donnerstag, 30. März 2017

Interview Jan Kilman

Interview Jan Kilman

Auf Grund  des Pseudonyms gibt es kein Autorenfoto :) 


Meine Lieben,
dieses mal hatte ich die Ehre Jan Kilman zu interviewen. Viel Spaß beim Lesen des Interviews. 


Guten Tag Herr Kilman, 
vielen herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen.

1.) Bitte stellen Sie sich kurz vor?

Gerne. Ich bin Familienvater, Ehemann, Freund und vieles mehr. Einige Jahre durfte ich schon auf Erden wandeln, sollte eigentlich dabei gereift sein, aber mein Kindskopf gewinnt nicht selten die Oberhand. Warum aber auch nicht? Schließlich gehört die Kindheit meistens zu den glücklichsten Zeiten, die man erleben darf. Sich ein wenig davon zu erhalten ist doch daher erfreulich. Ich faulenze gerne, genieße dann gute Bücher, Lesen gehört zu meinen Leidenschaften. Ich kann aber auch ganz anders „drauf“ sein. Dann ist „Wirbelsturm“ angesagt und es geht ab. Dann setze ich alles um mich herum in Aufregung und die Nächte werden kurz. In dieser Phase bin ich am produktivsten. 

2.) Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Über das Lesen. Bereits als Kind habe ich mich in Büchern verloren und ich weiß noch, dass ich derart angeregt schon im jungen Alter gerne Geschichten erzählt habe (und vermutlich meine Eltern und Brüder damit genervt habe). Von da an war der Weg nicht mehr weit zum Schreiben und zum Wunsch, Schriftsteller zu werden.

3.)Sie haben unzählige Feldpostbriefe von damals gelesen. Welche Gefühle und Eindrücke sind durch diese Briefe bei Ihnen entstanden?

Erst durch das Lesen unzähliger Feldpostbriefe konnte ich mir die Welt von damals vorstellen. Die Briefeschreiber haben ihr Innerstes preisgegeben und ihre Ängste und Hoffnungen formuliert. Das ist zwar nicht immer direkt herauslesbar, schließlich ging es vielen auch darum, die Daheimgebliebenen zu trösten und deren Ängste zu schmälern, aber stets zwischen den Zeilen erkennbar. Da wird zum Beispiel um Salbe gebeten, was deutlich macht, wie erschreckend mangelhaft die Versorgung der Soldaten mit Medikamente war. Warme Kleidung soll geschickt werden, da die Uniformen nicht vor den winterlichen Bedingungen schützten. Die Versorgungslage war schlichtweg eine Katastrophe. Und das wirft dann auch einen Eindruck auf die Zustände abseits der Front. Denn wenn ein einfacher Soldat nicht mehr versorgt werden kann, dann sieht es zu Hause auch nicht besser aus. Die Briefe haben mir erst gezeigt, wie wenig überhaupt in Deutschland damals verfügbar, wie groß das Leid war.

4.) Können Sie den Lesern, die Ihr Buch noch nicht gelesen haben, etwas über die Protagonistin Agnes Papen verraten? 

Der Hintergrund der Protagonistin ist, wie ich aus Ihrem Buch entnehmen kann, dass es tatsächlich eine Kriegsberichterstatterin gegeben hat. 
Richtig. Anfänglich hatte ich bei Agnes eine Frau im Kopf, die sich in einem Männerberuf durchsetzt, dabei auf Widerstände trifft, aber trotzdem nicht aufgibt. Zunächst war ich ein wenig unschlüssig, ob ein derartige Charakter in dem Deutschland Anfang des 20 Jahrhunderts nicht ein wenig zu „gewagt“ wäre und habe mich daher auf die Suche nach einem Vergleichsfall gemacht. Dabei bin ich auf Alice Schalek gestoßen, eine mutige österreichische Journalistin. Alice Schalek berichtete u.a. von der Front in den Dolomiten und später von der Isonzofront. Dafür wurde ihr später sogar eine Tapferkeitsmedaille verliehen. Alice Schalek stand also Pate für meine Protagonistin Agnes Papen. 
Doch Agnes Papen ist trotzdem eine Frau ihrer Zeit. Das zeigt sie u.a. im Roman, als sie für eine Ehe ihre Zukunftspläne ohne weiteres hintenanstellen würde, um Hausfrau und Mutter zu sein. Agnes Papen ist eine Vorreiterin der Moderne, aber keine Revolutionäre. 

5.) Sie haben auch den 15-jährigen Franz als Protagonisten gewählt. Wie kam es dazu? 

Franz war eine erste Figur, die ich für Heldenflucht entwickelte. Franz leider an der Krankheit Alexithymie, von der ich vor einigen Jahren gelesen habe und die ich sehr interessant fand. Im Prinzip geht es darum, dass Franz nicht in der Lage ist, seine eigenen Gefühle richtig zu interpretieren beziehungsweise überhaupt wahrzunehmen. Er tut sich auch schwer damit, sie bei anderen richtig zu erkennen – womit er dann auch häufig dumm dasteht und aneckt. Mit dieser Eigenart, die damals so nicht als Krankheit erkennbar war, wird Franz fast automatisch zum Außenseiter und somit zu einem äußerst reizvollen Sonderling für einen Schriftsteller.

6.) Bei Ihrer Recherche besuchten Sie auch viele Kriegsschauplätze von damals. Wurden Sie in die Zeit zurück versetzt? Wenn ja, wie fühlten Sie sich?

Es wäre vermessen zu sagen, ich wurde zurückversetzt. Was immer ich unternommen habe – zum Beispiel habe ich im strömenden Regen und im Schneetreiben in Schützengräben gehockt – es fehlte (Gott sei Dank) die Todesangst, die die Soldaten früher tagtäglich in den Griff bekommen mussten.
Aber bringt man Zeit mit, dann bekommt man eine annähernde Vorstellung des damaligen Grauens. Überwiegend war (und bin es immer noch) beklommen. Insbesondere die Vorstellung, tagelang unter Artilleriefeuer ausharren zu müssen, ohne das Geringste unternehmen zu können – geschweige denn das Naheliegendste: Weglaufen! Eine schreckliche Vorstellung, wie ich finde.

7.) Warum wählten Sie für dieses Buch ein Pseudonym? 

Heldenflucht ist mein erster Roman, der weiter in der Vergangenheit spielt, einen historischen Bezug hat. Dem Verlag und mir war es wichtig, ganz klar zu signalisieren, dass das etwas anderes ist, als das, was ich sonst schreibe. Somit haben wir uns der klaren Ausrichtung und deren Erkennbarkeit für ein Pseudonym entschieden.

8.) Gibt es weitere Bücher von Ihnen unter den Pseudonym Jan Kilman? Wenn ja welche? Wenn nein, wird es noch welche geben?

Heldenflucht ist mein erster „Jan Kilman“. Die Idee für einen zweiten liegt dem Verlag vor. Ich würde mich freuen, baldigst eine Zusage dafür zu erhalten. Agnes Papen sollte weitere Romane erleben dürfen.

9.) Wie lange haben Sie an diesem Buch gearbeitet?

Mit Recherche etwa 1 ½ Jahre. Wobei die Idee schon 2013 geboren wurde. Aber manche Dinge müssen erst reifen, bevor sie intensiv angegangen werden können.

10.) Möchten Sie noch etwas Ihren und meinen Lesern mitteilen?
Ich werde nicht müde, eine wichtige Botschaft zu senden: Ihr LeserInnen seid das wichtigste Glied in der Kette. Denn ohne euch gäbe es auch keinen Bedarf an uns Geschichtenerzählern.
   
Vielen herzlichen Dank für das Beantworten der Fragen und Ihre Zeit.




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